Das dezentrale kooperative System für die EDV-Versorgung der Universität Heidelberg


Version: 29. September 1997
Status: Verabschiedet vom EDV-Ausschuss; am 25.9.1997; zustimmend zur Kenntnis genommen vom Verwaltungsrat am 23.10.1997 und vom Senat am 11.11.1997.

1. Vorbemerkung

Die elektronische Datenverarbeitung (EDV) wird seit mehreren Jahrzehnten an der Universität Heidelberg eingesetzt; ihre Bedeutung für die Universität ist in diesem Zeitraum stetig gewachsen. Heute sind Forschung und Lehre, aber auch Verwaltung und andere wichtige Dienstleistungsbereiche (wie z. B. die Bibliothek) der Universität ohne die EDV nicht mehr denkbar. Daher kommt der adäquaten Versorgung der Universität mit EDV-Kapazität eine wichtige Rolle zu.

Durch den sich seit Mitte der achtziger Jahre vollziehenden Paradigmenwechsel in der EDV hat sich auch die Struktur der EDV-Versorgung der Universität grundlegend verändert. Das frühere zentrale, an Universalrechnern orientierte Versorgungskonzept ist durch ein neues abgelöst worden, das wesentlich durch dezentral aufgestellte Arbeitsplatzrechner und Server bestimmt wird.

Anfang der neunziger Jahre wurde auch an der Universität Heidelberg das von der Kommission für Rechenanlagen der DFG vorgeschlagene Konzept 1)2) einer verteilten kooperativen Versorgung als Grundlage der EDV-Versorgung akzeptiert. Das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-Württemberg hat diese Konzeption den Universitäten ebenfalls in seinen EDV-Gesamtplänen 3)4) empfohlen.

Eine vollständige Umsetzung des Konzepts steht an der Universität Heidelberg (wie an fast allen anderen deutschen Universitäten) noch aus, da weder die für diese Struktur benötigte flächendeckende Versorgung der Universität mit Netzwerkanschlüssen und Arbeitsplatzrechnern erreicht ist, noch das für die neue Struktur notwendige Personal für Betreuung und Betrieb der dezentralen Systeme überall ausreichend vorhanden ist.

Im Folgenden wird zuerst auf die technische Grundstruktur des dezentralen kooperativen Versorgungssystems eingegangen. Danach wird die organisatorische Struktur des Versorgungskonzepts für die Universität Heidelberg beschrieben. Hierbei wird besonders eingegangen auf die im Rahmen dieser kooperativen Versorgungsstruktur notwendige Zusammenarbeit zwischen den Universitätseinrichtungen einerseits, welche die EDV für Zwecke der Forschung, Lehre und Verwaltung einsetzen, und dem Universitätsrechenzentrum andererseits, das den EDV-Einsatz durch zentrale Dienstleistungen unterstützt. In einem Anhang werden die personellen und maschinellen Ressourcen umrissen, die als Voraussetzung für die vollständige Umsetzung des Konzepts an der Universität Heidelberg nötig sind. Das Konzept berücksichtigt nicht die Universitätskliniken in Heidelberg und Mannheim, da diese eigene, an den Bedürfnissen der Krankenversorgung orientierte Versorgungskonzepte entwickelt haben.

2. Technische Grundstruktur

Die seit Mitte der achtziger Jahre verfügbaren leistungsfähigen und kostengünstig zu beschaffenden Personal Computer und Workstations einerseits und die hohen Beschaffungskosten der Höchstleistungsrechner andererseits haben dazu geführt, dass sich zusätzlich zu den früheren zentralen Universalrechnern weitere Ebenen herausgebildet haben, die zur EDV-Versorgung der Universitäten wesentlich beitragen.

Es ist sinnvoll, gegenwärtig mindestens die drei folgenden Ebenen zu unterscheiden:

  • dezentrale Arbeitsplatzrechner (Personal Computer und Workstations in Instituten, Seminaren, zentralen Einrichtungen etc.) und bereichspezifische Rechner (Systeme, die nur spezifische Funktionen für eine Einrichtung bzw. eine Fakultät wahrnehmen)
  • zentrale Server und Geräte (Systeme, die Funktionen für die gesamte Universität oder zumindest mehrere Fakultäten übernehmen)
  • überregionale (landesweite, bundesweite und internationale) Höchstleistungsrechner

Im dezentralen kooperativen Versorgungssystem ermöglichen die genannten Ebenen die optimale EDV-Versorgung der Universität nur im abgestimmten Zusammenspiel.

Individuelle Arbeiten sollen weitgehend auf den nutzereigenen Arbeitsplatzrechnern erledigt werden. Die zentral aufgestellten Systeme stehen als Überlaufkapazitäten für hohe Anforderungen und für Funktionen zur Verfügung, die aus ökonomischen oder organisatorischen Gründen zweckmäßigerweise zentral wahrgenommen werden. Hierzu gehören Funktionen im Kommunikationsbereich (wie der Betrieb von zentralen Name-, Mail- und WWW-Servern) und im EDV-Bereich (wie der Betrieb von zentralen Servern für Studierende oder für die Datensicherung und -archivierung von dezentralen Arbeitsplatzrechnern und bereichsspezifischen Servern). Solange keine flächendeckende Verkabelung und Versorgung mit Arbeitsplatzrechnern erreicht ist, müssen die zentralen Systeme aber auch noch Teile der Grundversorgung für Wissenschaftler und Studierende in unterversorgten Bereichen sicherstellen.

Für den Zugang von Wissenschaftlern und Studierenden aus der Universität zu Systemen der überregionalen Ebene der Versorgung müssen aus dem Universitätsnetz die benötigten Netzwerkanschlüsse nach außen in Wissenschaftsnetze und andere Netze zur Verfügung gestellt werden. Ebenso müssen im Universitätsnetz auch angemessene Netzwerkeingänge für den Zugang von Wissenschaftlern und Studierenden zu Systemen der Universität von zu Hause aus zur Verfügung gestellt werden.

Eine notwendige technische Voraussetzung für das dezentrale kooperative Versorgungskonzept ist ein universitätsweites flächendeckendes Kommunikationsnetz, das die Verbindung zwischen den dezentralen Arbeitsplatzrechnern und den Zugang zu den Servern aller Ebenen sicherstellt. Die beiden Bestandteile des universitätsweiten Netzes sind zum einen die lokalen Hausnetze, die auf einer flächendeckenden Verkabelung der Institute bzw. Bereiche aufsetzen, und zum anderen ein Backbone, der für die Verbindung der lokalen Instituts- und Bereichsnetze untereinander und mit den Servern der anderen Ebenen sorgt.

3. Organisatorische Struktur

Das mehrstufige verteilte Versorgungssystem erfordert gegenüber dem früheren, zentral ausgerichteten Versorgungssystem eine Veränderung der Aufgabenverteilung beim Einsatz der EDV, die nicht nur das Rechenzentrum sondern alle Einrichtungen betrifft.

a) Aufgaben und Verantwortlichkeiten auf der dezentralen Ebene

Die Vielfalt der Anforderungen und Anwendungen der verschiedenen Fächer bei der EDV-Nutzung und die weitgehend dezentralen Entscheidungsstukturen der Universität machen es notwendig, den Instituten, Seminaren und anderen Einrichtungen der Universität selbst die Verantwortung für Planung, Beschaffung und Betrieb der Arbeitsplatzrechner und lokalen Server der ersten Ebene zu übertragen. Folgerichtig ist dann auch die Verantwortung für Planung und Einsatz der lokalen Haus- oder Bereichsnetze der jeweiligen Einrichtung zuzuordnen. Beide Aufgaben sind von der Einrichtung wahrzunehmen, in der die Systeme bzw. das Hausnetz zum Einsatz kommen sollen bzw. kommen.

b) Aufgaben und Verantwortlichkeiten des Rechenzentrums

Das Rechenzentrum sorgt als Kompetenzzentrum für eine Unterstützung der dezentralen Nutzer beim Einsatz der lokalen Rechner und Netze. Hierzu zählen die Beratung vor und bei Beschaffungen, die Unterstützung bei Betriebsorganisation und schwierigen Betriebsproblemen sowie die Ausbildung und Beratung des Personenkreises, denen die Verwaltung der Systeme und Netze in den Einrichtungen obliegt. Das Rechenzentrum dokumentiert seine Dienste in einem Dienstleistungsangebot.

Planung, Beschaffung und Betrieb der Systeme und Geräte der zentralen Ebene sind ebenfalls Aufgabe des Rechenzentrums, das diese Systeme und Geräte für Zwecke der Überlaufkapazität und zentraler Aufgaben vorhält und betreibt und sie Mitgliedern und Studierenden der gesamten Universität zur Verfügung stellt. Dem Rechenzentrum obliegt ferner auch die Planung, die Beschaffung und der Betrieb der zentralen Komponenten des Kommunikationsnetzes, sowie die Sorge für die Einhaltung der vom EDV-Ausschuss festgelegten Richtlinien zum Anschluss und Betrieb der lokalen Netze an das Kommunikationsnetz bzw. innerhalb des Kommunikationsnetzes.

c) Personelle Struktur des kooperativen Versorgungssytems

Jede Einrichtung, die in ihrem Bereich die EDV einsetzt und Dienste im Rahmen des kooperativen Versorgungssystems in Anspruch nehmen möchte, benennt einen EDV-Beauftragten. Dieser ist für die technische Planung der Systeme und Netze innerhalb der Einrichtung verantwortlich und ist auch Ansprechpartner des Rechenzentrums in allen grundsätzlichen Fragen des EDV-Einsatzes und der Nutzung des Rechenzentrums. Neben dem EDV-Beauftragten kann es in der Einrichtung auch einen Netzbeauftragten und (eventuell mehrere) Systemverwalter geben, die den EDV-Beauftragten für bestimmte Aufgabengebiete entlasten und für diese Gebiete dann Ansprechpartner des Rechenzentrums sind.

Jede Fakultät sollte aus dem Kreis der EDV-Beauftragten der zur Fakultät zählenden Einrichtungen einen Fakuätsbeauftragten für EDV benennen, der den EDV-Einsatz und die Planung der EDV-Versorgung auf Fakultätsebene koordiniert. Für jede Fakultät benennt das Rechenzentrum aus dem Kreis der Abteilungsleiter des Rechenzentrums als Ansprechpartner einen Fakultätspaten, der allen EDV-Beauftragten, Netzbeauftragten und Systemverwaltern in der Fakultät für alle grundsätzlichen Fragen des EDV-Einsatzes und Probleme beim Betrieb von EDV-Systemen und Netzen zur Verfügung steht. Darüber hinaus soll der Fakultätspate die Fakultät und die ihr zugeordneten Institute bzw. Seminare bei der strategischen Planung zur Entwicklung bzw. Fortschreibung des Versorgungskonzepts auf der Ebene der Einrichtungen bzw. Fakultäten unterstützen.

Für alle vom Rechenzentrum wahrzunehmenden Aufgabengebiete, insbesondere für die technischen Fragen und speziellen Probleme, die in den Einrichtungen beim Betrieb von EDV-Systemen und Netzen auftreten, benennt das Rechenzentrum die zuständigen MitarbeiterInnen. Diese Zuordnung ist aus dem Dienstleistungsangebot zu ersehen.

d) Aufgaben des Universitätsbauamtes

Die Einbindung der lokalen Systeme über das Hausnetz in das Kommunikationsnetz setzt bei Planung der Arbeitsplatzrechner und der Hausnetze eine sorgfältige Abstimmung mit dem Rechenzentrum voraus. Auf Grund gesetzlicher Vorgaben können die Baumaßnahmen zur Kommunikationsvernetzung nur von Universitätsbauamt und Rechenzentrum zusammen geplant und durchgeführt werden. Die Planung fußt auf der Bedarfsanmeldung der Einrichtungen. Für die aktiven Komponenten (Geräte zum Betrieb des Netzes wie Router und Brücken) ist das Rechenzentrum verantwortlich, für die passiven Komponenten (Verkabelung und eigentliche Baumaßnahmen) das Universitätsbauamt.

e) EDV-Versorgung der Studierenden

Die starke Durchdringung der Lehre und Forschung aller Fachbereiche mit EDV hat zur Folge, dass alle Studierenden – unabhängig vom Studienfach – vor oder während des Studiums EDV-Kenntnisse erwerben und während des Studiums EDV-Systeme einsetzen müssen.

Im fortgeschrittenen Stadium ihres Studiums, bei der Diplom-, Magister- oder Doktorarbeit sind die Studierenden meist in die wissenschaftliche Arbeit von Instituten bzw. Seminaren eingebunden und können die dort für Wissenschaftler vorhandene EDV-Infrastruktur mitbenutzen. In den Anfangssemestern ist dies nicht gesichert, auch wenn es in verschiedenen Fakultäten CIP-Pools gibt und eine wachsende Zahl von Studierende eigene PC für das Studium benutzt. In allen Studienabschnitten stellt das Rechenzentrum einen Großteil der für die Studierenden notwendigen EDV-Infrastruktur zur Verfügung.

Zudem hat das Rechenzentrum schon bisher eine wichtige Rolle in der EDV-Ausbildung und der Beratung der Studierenden übernommen. Dies wird auch weiterhin so bleiben müssen, wobei die studienfachbezogenen Ausbildungsinhalte von den Fakultäten bzw. Studienfächern, die allgemeinen, EDV-spezifischen Inhalte vom Rechenzentrum festgelegt werden sollten.

f) Aufgaben des EDV-Ausschusses

Der Ausschuss für Angelegenheiten der Anwendung der EDV ist das Gremium, in dem die strategischen Fragen der EDV-Planung und EDV-Versorgung diskutiert werden und Entscheidungen für Verwaltungsrat und Senat vorbereitet werden. Der EDV-Ausschuss ist auch die Anlaufstelle für Anliegen und Beschwerden, die im Zusammenhang mit der Inanspruchnahme von Diensten des dezentralen kooperativen Versorgungssystems oder der Nutzung des Rechenzentrums auftreten. Für jede Fakultät benennt der EDV-Ausschuss aus seiner Mitte einen Ansprechpartner. Der EDV-Ausschuss sollte in der Regel zweimal im Semester zu Sitzungen zusammenkommen.

Die Technologie der EDV unterliegt nach wie vor einem starken Wandel, so dass eine effiziente und optimale Versorgung nur durch eine ständige Anpassung der Struktur der EDV-Versorgung an die Möglichkeiten der aktuellen Techniken erreicht werden kann. Daher soll vom EDV-Ausschuss der Universität das Versorgungssystem in regelmäßigen Abständen überprüft werden. Hierzu berichten alle Einrichtungen und das Rechenzentrum einmal jährlich dem EDV-Ausschuss über den Status der EDV-Versorgung im jeweiligen Verantwortungsbereich. Auf Grund der jährlichen Berichte erarbeitet der EDV-Auschuss seine Empfehlungen zur Umsetzung und Fortschreibung des Versorgungskonzeptes.

Das Prinzip der Wirtschaftlichkeit bei der dezentralen kooperativen Versorgungsstruktur verlangt eine gewisse Standardisierung der betriebenen Systemfamilien, der eingesetzten Standardsoftware und der verwendeten Kommunikationsprotokolle. Zu den Aufgaben des EDV-Ausschusses gehört es, Richtlinien für die Standardisierung vorzugeben. Daher sollte der Ausschuss eine Liste derjenigen Systemfamilien, Standardsoftware-Produkte und Kommunikationsprotokolle festlegen, die an der Universität offiziell unterstützt werden, und diese Liste mindestens einmal jährlich überprüfen und fortschreiben.

4. Schlussbemerkungen

Eine optimale Versorgung setzt eine enge Verzahnung der Ebenen voraus. Für eine sinnvolle Planung und einen reibungslosen Betrieb ist daher eine detaillierte Abgrenzung und Abstimmung der Verantwortlichkeiten zwischen den verschiedenen Ebenen notwendig. Da das Know-How innerhalb der Einrichtungen der Universität stark variiert, kann die Abgrenzung der Verantwortlichkeiten nicht für alle Fachbereiche einheitlich vorgenommen werden, sondern muss auf die dezentral vorhandenen Kenntnisse Rücksicht nehmen. Unbenommen der oben festgelegten grundsätzlichen Zuständigkeit der jeweiligen Einrichtung für die lokalen Systeme und Netze kann es organisatorisch oder wirtschaftlich zweckmäßig sein, gewisse Aufgaben (wie z. B. den Betrieb von Hausnetzen) von dezentralen Einrichtungen an das zentrale Rechenzentrum zurück zu übertragen (ggf. gegen Kostenersatz). Dies ist im Einzelfall einvernehmlich zwischen der jeweiligen Einrichtung und dem Rechenzentrum zu vereinbaren.


Anhang: Personelle und maschinelle Ressourcen

Ein dezentrales vernetztes Versorgungssystem erfordert einen größeren Personaleinsatz als ein herkömmliches zentral orientiertes System 1a). Das dezentrale kooperative Versorgungssystem macht vor allem in den dezentralen Einrichtungen, in denen der Einsatz der EDV in nennenswertem Umfang erfolgt, einen erhöhten Personaleinsatz für die EDV-Betreuung notwendig.

Nach der Abschätzung der Kommission für Rechenanlagen der DFG zum Personalbedarf 1a) eines solchen Konzepts ist von einem Aufwand von einer Personalstelle für die Betreuung von etwa 15 bis 30 Workstations oder 50 bis 100 Personal Computern auszugehen. Dieser Aufwand steigt an, sofern besondere Anwendungssoftware in den Einrichtungen vorhanden ist. Zudem ist der Personalaufwand für den Betrieb der lokalen Hausnetze zu veranschlagen. Das bedeutet, dass jede der ca. 90 dezentralen Einrichtungen der Universität ein bis zwei Vollzeitkräfte mit diesen Aufgaben betrauen muss. Dieses Ziel ist zur Zeit erst teilweise erreicht; einige Einrichtungen haben vorbildlich vorgesorgt, während andere sich auf die eine oder andere Art behelfen. Oft wird dabei kostengünstig auf die Arbeit wissenschaftlicher Hilfskräfte zurückgegriffen. Diese sind meist gut motiviert, da sie das durch diese Tätigkeit erworbene Wissen häufig in ihrem späteren Beruf einsetzen können. Nachteilig wirkt sich aus, dass mit ihrem Weggang auch das bei ihnen vorhandene Know-How verloren geht, so dass durch die starke Fluktuation dieser Kräfte ein hoher zusätzlicher Schulungsaufwand notwendig ist.

Auf der Basis der von der DFG genannnten Zahlen wird für die Universität Heidelberg insgesamt geschätzt, dass gegenwärtig mit dem Umfang von etwa 100 bis 150 Personalstellen für die Betreuung der EDV-Systeme und Netze gerechnet werden muss. Da zusätzliches Personal gegenwärtig nicht zur Verfügung gestellt werden kann, muss das erforderliche Personal durch Umwidmung von vorhandenem Personal bereit gestellt werden, z. B. von Personal, das bisher für das Bibliothekswesens eingesetzt wurde.

Die optimale Umsetzung des kooperativen Versorgungskonzepts kann nur bei einer flächendeckenden Versorgung der Universität mit Arbeitsplatzrechnern (Personal Computern und Workstations) und Netzanschlüssen erfolgen. Sowohl im Arbeitsplatzrechnerbereich als auch im Netzbereich ist diese Voraussetzung für das kooperative Versorgungssystem an der Universität bisher nicht erfüllt.

Die Zahl der erforderlichen Arbeitsplatzrechner abzuschätzen ist schwierig. Im EDV-Gesamtplan III des Landes Baden-Württemberg 3) wurde für eine Modellrechnung für Anfang der neunziger Jahre ein Arbeitsplatzrechner für 1,5 Personen (Vollzeitbeschäftigte einschließlich Drittmittelstellen) in den Naturwissenschaften, 2,5 in den Wirtschaftswissenschaften und der Soziologie sowie 10 in Geistes- und Sozialwissenschaften für erforderlich gehalten. Ferner wurde in den Natur- und Wirtschaftswissenschaften eine Zahl von etwa 10 Studierenden, in den übrigen Bereichen von 20 Studierenden genannt, für die ein Arbeitsplatzrechner vorzusehen sei. Diese Modellrechnung wurde im folgenden EDV-Gesamtplan IV nicht fortgeschrieben, allerdings wurde darin zum Ausdruck gebracht, dass die Entwicklung ... durch eine weitere Durchdringung aller Fachbereiche mit informations- und kommunikationstechnischen Hilfsmitteln ... gekennzeichnet sein wird.

Legt man z. B. für Natur- und Wirtschaftwissenschaften inzwischen einen Arbeitsplatzrechner pro Person und für Geisteswissenschaften pro drei Personen zu Grunde, so sind diese Anforderungen insbesondere in den Geisteswissenschaften noch lange nicht erfüllt. Halbiert man bei den Studierenden die oben genannten Personenzahlen, für die ein Rechner ausreicht, so würde dies eine Anforderung von etwa 2.100 Arbeitsplatzrechnern für Studierende bedeuten; auch von dieser Zahl ist die Universität ein weites Stück entfernt. Hinzuweisen ist darauf, dass die Zahl der von der Universität bereitzustellenden Arbeitsplatzrechner für Studierende nur unter der Voraussetzung als ausreichend erachtet wird, dass sich eine wachsende Zahl von Studierenden eigene Arbeitsplatzrechner beschaffen kann. Die Universität sollte versuchen, die Zahl dieser Studierenden durch geeignete Anreize und unterstützende Maßnahmen zu erhöhen.

Nach den von einer Arbeitsgruppe des Ministeriums für Wissenschaft und Forschung erarbeiteten Richtlinien 5) für den Auf- und Ausbau der Kommunikationsnetze der Hochschulen müssen an der Universität zur flächendeckenden Vernetzung ca. 9.100 Netzanschlüsse vorhanden sein. Der Hochgeschwindigkeitsbackbone des Kommunikationsnetzes erstreckt sich auf alle geographischen Gebiete der Universität, auch sind alle Gebäude an diesen Backbone angeschlossen; durch die in vielen Gebäuden noch fehlende Hausverkabelung sind gegenwärtig allerdings erst ca. 2.900 Netzwerkanschlüsse vorhanden.


Literaturverzeichnis

1) Zur Ausstattung der Hochschulen in der Bundesrepublik Deutschland mit Datenverarbeitungskapazität für die Jahre 1992 bis 1995, Kommission für Rechenanlagen der DFG, Bonn 1991

1a) Nachtrag zu den Empfehlungen Zur Ausstattung der Hochschulen ... für die Jahre 1992 bis 1995 der Kommission für Rechenanlagen der DFG

2) Informationsverarbeitung und Rechner für Hochschulen 1996 bis 2000, Kommission für Rechenanlagen der DFG, Bonn 1995

3) EDV-Gesamtplan III – Gesamtplan zur Ausstattung der Hochschulen des Landes Baden-Württemberg mit EDV-Anlagen für den Zeitraum 1989 bis 1994, Ministerium für Wissenschaft und Forschung des Landes Baden-Württemberg, Stuttgart 1989

4) EDV Gesamtplan IV – Kommunikations und Informationstechnik für die Hochschulen des Landes Baden-Württemberg für die Jahre 1995 bis 2000, Ministerium für Wissenschaft und Forschung des Landes Baden-Württemberg, Stuttgart 1995

5) Planung schneller Datennetze an den Hochschulen Baden-Württembergs, Ministerium für Wissenschaft und Forschung des Landes Baden-Württemberg, Stuttgart 1993

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Letzte Änderung: 26.10.2015
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